Gunther, geboren um 955, entstammte der Überlieferung nach dem alten thüringischen Grafengeschlecht der Schwarzburger und soll ein Vetter von Kaiser Heinrich II. (geb. 973; König 1004, Kaiser 1014–24; Heiliger) gewesen sein. In jungen Jahren genoss er das Leben in vollen Zügen, wurde dann aber von der monastischen Begeisterungswelle der Jahrtausendwende erfasst und wollte als Laienbruder ins Benediktinerkloster Niederaltaich an der Donau (zwischen Passau und Deggendorf, Niederbayern) eintreten. Der dortige Abt Godehard (960–1038; ab 1022 Bischof von Hildesheim; Heiliger) legte ihm eine Bußwallfahrt nach Rom auf und nahm ihn 1005 im Kloster Hersfeld (Hessen) auf, dem er inzwischen ebenfalls als Abt vorstand. Wenig später übernahm Gunther die Leitung des Klosters Göllingen in Thüringen, dem er den Großteil seiner Güter übereignet hatte, kehrte aber bald frustriert zu Godehard nach Niederaltaich zurück. Von dort aus zog er 1008 mit einigen Mönchen nach Osten in die Wildnis des Bayerischen Waldes, wo sie unter größten Entbehrungen als Einsiedler lebten. Zur Erschließung des Gebietes legten sie Straßen an, darunter auch den so genannten Goldenen Steig nach Böhmen, und bauten eine Kirche, die 1019 von Bischof Berengar von Passau geweiht wurde (und heute Wallfahrtskirche ist). Nach und nach entstand das Kloster Rinchnach (bei Regen).
Gunther, der hohes Ansehen genoss und 1040 in Auseinandersetzungen zwischen Böhmen und Bayern sogar als Vermittler fungierte, zog sich im Greisenalter noch tiefer in die Wälder zurück und lebte in einer Höhle. Er starb am 9. Oktober 1045 in der Nähe von Hartmanitz in Böhmen (heute Hartmanice, Tschechien). Der böhmische Herzog Bretislav ließ seinen Leichnam nach Prag überführen und im Benediktinerkloster Bevnov bestatten. Im Jahre 1402 wurde Gunther von Papst Bonifatius IX. kanonisiert. Bei der Brandschatzung der Abtei im Jahre 1420 durch die Hussiten wurde auch Gunthers Grab, an dem sich mehrere wundersame Heilungen ereignet haben sollen, zerstört.
Darstellung: als Einsiedler in der Wildnis
Attribut: Engel (als Überbringer der Heilige Kommunion)

Quelle: Herder-Verlag





